Zur Geschichte des Krafttrainings
Historisch gesehen war Krafttraining zunächst nichts anderes als das Heben von schweren Gegenständen. Die Beliebigkeit dieser Tätigkeit nahm im Verlauf der Zeit ab. Zunächst wurden die Gewichte normiert; die Hantel entstand. Es folgte eine lange Zeit des Ausprobierens, in der die wenigen Pioniere des Bodybuildings und Kraftsports die Grundlagen für die heutige Trainingslehre legten. Übungsformen und Trainingssysteme entstanden. Dies geschah zunächst nicht auf Grundlage einer wie auch immer gearteten theoretischen Wissensbasis, sondern durch trial and error, also Versuch und Irrtum. Eine fortschreitende Konzentration auf experimentell Nachprüfbares (lies: eine „Verwissenschaftlichung“ des Trainings) setzte erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Betrachtet man die historische Entwicklung des Krafttrainings insgesamt, lassen sich zwei Grundtendenzen ausmachen: Systematisierung und Verwissenschaftlichung.
Die Digitalisierung des Fitnesstrainings
Als vorübergehende Spitze dieses Prozesses darf die längst überfällige Einführung von EDV-Techniken auf dem Fitness-Massenmarkt gelten. Erst jetzt scheint die Branche zu bemerken, dass sich Computer nicht allein zur Mitgliederverwaltung eignen. Aber von vorne: Als die NASA sich in den 1960er Jahren anschickte, einen Menschen auf den Mond zu schießen, erfand sie ganz nebenbei nicht nur den Klettverschluss, sondern auch das Cardio-Training. Bereits frühe Ergometer-Generationen konnten dem Trainierenden seine aktuelle Geschwindigkeit und die zurückgelegte Entfernung anzeigen. Die Erhebung und Auswertung solcher Informationen wurde in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich verbessert und Cardio-Geräte dürfen als „High-Tech“-Produkte gelten.
Anders bei den Kraftgeräten. Die digitale Erfassung von Trainingswerten blieb hier lange aus. Die notwendigen Technologien existierten zwar und kamen in der Medizin und insbesondere der Sportwissenschaft zum Einsatz. Der gewöhnliche Fitnessstudio-Kunde jedoch verließ sich bei der Auswertung seiner Trainingsleistungen seit Jahrzehnten allein auf das geschulte Auge des Trainers und seine eigene Intuition. Dabei gäbe es so viel zu erfassen: das verwendete Trainingsgewicht, den Bewegungsumfang, die Geschwindigkeit der Ausführung und so fort. Einige Hersteller haben diesen Missstand erkannt und entwickeln parallel verschiedene Konzepte der Trainingsauswertung, für die sich der Sammelbegriff „Intelligente Trainingssoftware“ einzubürgern scheint. Dabei ist „Intelligente Trainingssoftware“ eine missverständliche Bezeichnung, denn die Schwierigkeiten der technischen Umsetzung sind eher bei der Hardware zu vermuten.
Intelligente Trainingssoftware
Wie funktioniert Intelligente Trainingssoftware? In der Regel bestehen diese Systeme aus drei Komponenten:
- Die erste Komponente sind Panels, die an allen Geräten installiert werden. Sie messen die relevanten Trainingsdaten. Außerdem helfen sie den Trainierenden bei der Einstellung der Geräte. Die hierzu notwendigen Informationen lesen die Panels aus einer Chipkarte aus, die der Trainierende während des Trainings bei sich führt.
- Die Chipkarten dürfen als zweite Komponente des Systems gelten. Sie enthalten individualisierte Daten über die richtige Einstellung der Geräte, der Trainingsstand und evtl. die Trainingsziele des Besitzers. Ermittelt und gespeichert werden diese Daten beim ersten Training, wenn der Trainierende durch einen Trainer in die Geräte eingewiesen wird.
- Die Auswertung der Trainingsleistung kann auf zweierlei Wegen erfolgen. Zunächst durch kleine Bildschirme an den einzelnen Panels selbst. Hier erfährt der Trainierende zum Beispiel, wann er das Trainingsgewicht steigern sollte. Außerdem ist es möglich, alle ermittelten Daten zur Auswertung an einen Zentralrechner zu senden, der Überblicksdarstellungen und Zeitreihen aufbereitet. Diese Informationen können einerseits durch die Trainierenden selbst, andererseits auch durch das Trainerpersonal abgerufen werden. Somit ist eine gezieltere Betreuung möglich.
Handelt es sich hierbei um ein Erfolgskonzept? Noch findet man Intelligente Trainingssoftware in vergleichsweise wenigen Fitnessstudios. Insbesondere im Bereich des gesundheitsorientierten Krafttrainings spricht jedoch wenig gegen eine Einführung. Man darf deshalb auf die Entwicklung der nächsten Jahre gespannt sein.












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